Arbeitsgruppe: "Von der Idee zur Innovation".

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Dinge neu denken.

Was führt zu radikal neuen Denkansätzen im Design.
Welche Rahmenbedingungen sind dafür notwendig?

Design – das in seiner erweiterten Form sowohl Artefakte und Räume, wie immaterielle Leistungen mit einbezieht - ist ein zyklischer Prozess, eine Interaktion von Untersuchen, Erfinden, Gestalten und Verwerfen im Spannungsfeld von geordneter Strategie und inspirierter Vision.

Methoden zur schöpferischen Herangehensweisen zu beschreiben ist daher paradox, handelt es sich ja dabei um die Beschreibung von Konventionen zum unkonventionellen Denken und Handeln. Es kann daher nur der Versuch einer Annäherung sein.

Radikal neu denken bedeutet vorerst im ursprünglichen Wortsinn den Status Quo von Grund auf zu hinterfragen, zur Wurzel der Frage zu gelangen. Um neue Lösungen zu finden, muss vorerst ein Perspektivenwechsel gegenüber einer Frage- oder Aufgabenstellung vorgenommen werden. „Unpacking the Task", diese kritisch- analytische Kunst der Fragestellung ist Ausgangspunkt für Neues. Hier wird der generelle Kurs des gesamten Gestaltungsprozesses festgelegt.

Um die Welt mehrperspektivisch wahrzunehmen und zu erschließen sind weitere Schlüssel-kompetenzen ausschlaggebend. (Kalkulierte) Risikobereitschaft, Empathie gegenüber dem Anwender/Nutzer der vorgesehenen Designlösung, die Fähigkeit Lösungshypothesen modellhaft zu erstellen, komplexe Fragestellungen zu meistern, mehrschichtige Strategien zur Lösungsfindung zu entwickeln, Ressourcen zu planen, Netzwerke zu erstellen und mit Widersprüchlichkeiten umgehen zu können, Reflexionsfähigkeit im Umgang mit der eigenen Kreativität zu entwickeln, Methoden des Wissenserwerbes zu erfahren, und letzt Endes entscheidungsfreudig zu agieren. (Vergleiche Kimbell, Stables, 2008: 164-166).

An der Universität für angewandte Kunst Wien erfahren die Studierenden im Rahmen des Studiums Design, Architektur und Environment für Kunstpädagogik (Lehramt Werkerziehung) die reflektierte Auseinandersetzung mit dem Designprozess. Anhand von unterschiedlichen Aufgaben - oft mit verschiedenen Partnerorganisationen - soll jede(r) Studierende im Rahmen von persönlich gecoachten Einzel- und Gruppengesprächen ihr/sein eigenes erfinderisches Potential entdecken, mit dem Ziel diese Fähigkeit in Folge sowohl in der Schule, wie in privaten Vermittlungsinstitutionen weiter zu geben.

Design kann man (wie andere Felder der Kreativität) nicht im klassischen Sinnen „lernen", obwohl jeder Mensch kreatives Potential mit sich bringt. Vielmehr bedarf es einer gesellschaftlichen Wertschätzung gegenüber dem Erfinden, Entdecken, Erforschen, mit all den Risken, die sich mit diese neugierigen Auseinandersetzung unserer Welt ergeben. Das Bedarf der Förderung des Individuums und der Anerkennung gegenüber Differenz. Freiräume des Denkens und Handelns, wo das Scheitern erlaubt ist, werden zu Möglichkeitsräumen für Neues. Man soll sich „trauen" dürfen Regeln zu durchbrechen und Grenzen auszuloten. Die „Lehrenden" sind dabei Begleiter, die sich auf Augenhöhe (sie haben ja auch nicht die Antwort bereit) mit den Lernenden gemeinsam auf die Suche nach der Lösung begibt. Aufgabe der Lehrenden besteht darin, Denkblockaden abzubauen, Alternativen vorzuschlagen und Mut zu machen. Auch um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und das freie Denken dann einem Nutzen zuzuführen, um die Erfindung in eine Innovation zu transferieren.

Natürlich hat hier die Schule eine zentrale Aufgabe zu erfüllen. Es wäre jedoch nur allzu einfach wieder in ein „school bashing" zu verfallen und die Unzulänglichkeiten des Systems und der Lehrpläne im schöpferischen Bereich an den Pranger zu stellen. Die plötzlich aus hauptsächlich wirtschaftspolitischen Motiven heraus eingeforderte „Kreativität" und „Innovationsbereitschaft" kann viele Lehrer überfordern, die noch im Lichte einer konventionelleren Pädagogik herangebildet wurden.

Diese Veränderung erfordert Zeit, soll sie einen nachhaltigen Nutzen erzielen. Kompetentes gestalterisches Denken und Handeln ist nicht nur ein Mittel, um sich dem internationalen Wettbewerb zu stellen, sondern soll vorerst dazu beitragen, initiative, eigenverantwortliche und mündige Bürger heranzubilden. Dieser Verantwortung darf sich die Schule nicht entziehen.

Univ.Prof. James Skone