KaltenbrunnerChristoph 180Christoph Kaltenbrunner
Univ.-Prof. Mag.Art. BSc

Institut für Kunstwissenschaften, Kunstpädagogik und Kunstvermittlung
Abteilung DAE Design, Architektur, Environment
Universität für angewandte Kunst Wien
Oskar Kokoschka-Platz 2
A-1010 Wien

Als vor ca. 110 Jahren die Gebrüder Wright mit ihrer Forschung zum "Fliegen schwerer als Luft" begannen, waren ihnen das Wissen über Aeronautik, die Resultate ihrer Versuchsreihen und die erzielte wissenschaftliche Erkenntnis wichtiger als das Flugobjekt selbst.
Auch wenn für uns heute die verschiedenen Prototypen der Wright-Flyer noch so ästhetisch wirken mögen, für Wilbur und Orville Wright waren sie nur Mittel zum Zweck. Denn sonst wäre es nicht nachvollziehbar, dass sie ihre ersten gebauten Fesseldrachen im Sumpf der Outer Banks von North Carolina entsorgt haben.
Womöglich war der logistische Aufwand zu hoch, ein gebrauchtes Studienobjekt 650 Meilen vom Versuchsort Kitty Hawk zu ihrer Fahrradwerkstatt in Dayton, Ohio zurückzutransportieren. Denn für die Verbesserung des nächsten Fluggeräts der kommenden Flugsaison genügten den Brüdern ihre umfangreichen Aufzeichnungen der Flugversuche, akribischen Messungen dieser, und eine perfekte fotografische Dokumentation.
Diese außerordentlich analytische Herangehensweise anhand des Prinzips Trial and Error ist ein gutes Beispiel für einen problemorientierten Lösungsansatz.

Forschung, Lehre, Studium sollten sich ähnlicher Grundsätze bedienen, um den gegenwärtigen schnellen und geradlinig erzielten Resultaten des universitären Trainings entgegenzuwirken.
Dies kann als Credo für Ausbildung von Studierenden verstanden werden, denn nicht ein plakatives Ergebnis sollte das Resultat einer Auseinandersetzung mit einem Problem sein, sondern der Entwicklungsprozess zur Lösungsfindung selbst ist vorrangig.
Nicht die Form ist das Maß aller Dinge, sondern der philosophisch gesellschaftliche Diskurs muss wieder stärker verankert werden. Entwicklung von Thesen, deren Überprüfung, und eine eventuelle Verwerfung dieser sollte die Essenz des Studiums sein.

Jede Zeit fordert von den Mitgliedern einer Gesellschaft kritisch reflektierte Reaktionen und die Übernahme von Verantwortung, die in unterschiedlicher Weise zum Ausdruck gebracht werden kann und muss. Ob das nun allein unter der medial allgegenwärtigen ökonomischen, ökologischen oder sozialen Nachhaltigkeit zu verstehen ist, sei dahingestellt.

Aber unser verantwortungsvolles Handeln als Mitglied einer Gesellschaft kann nur sozialpolitisch motiviert sein! Pädagogen sind eine Investition für unsere gemeinsame Zukunft und impliziert eine ganz besondere Verantwortung: denn die Studierenden der Kunstpädagogik von heute sind die Substrate der Kunstschaffenden von morgen!