Neoliberalismus, Ökonomie und Evaluierungen beschäftigen zur Zeit die Gesellschaft. Aber nicht nur im geschäftlichen Bereich dominieren diese Parameter – auch die Bildungssysteme stehen unter dem Paradigma der Wirtschaftlichkeit. Der Spardruck ist enorm. Unterrichtsfächer, die sich kaum oder nicht in diesem System bewerten lassen, stehen zunehmend unter Rechtfertigungsdruck, anstatt als wichtiger Gegenpol wahrgenommen zu werden, der freies Denken ermöglicht und fördert, unabhängig von konkret messbaren Ergebnissen. Die Studien des künstlerischen Lehramts fußen unmittelbar in der Kunst und stellen sich gegen eine mögliche Vereinnahmung der Lehre durch ökonomische Sachzwänge. Die Angewandte sieht sich hier in ihrer Verantwortung, dem neoliberalen Streben entgegenzuhalten.

Das Studium des technischen Werkens garantiert den Studierenden eine umfassende Bildung in den Bereichen Design, Architektur und Environment sowie Didaktik und Pädagogik. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der gebauten Umwelt, Raum und Technik bzw. dem Diskutieren und Austarieren ihrer Zweckmäßigkeit in Hinblick auf ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit. Funktionen des anwenderInnen-orientierten Designs und der Architektur werden sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Kontext diskutiert und reflektiert. So verstehen die AbsolventInnen Design nicht nur als Formfindung, sondern auch als Strategie, die richtigen Fragen zu stellen und damit Probleme zu lösen.

Die Kernkompetenz des Studiums ist die adäquate pädagogische und didaktische Vermittlung von Lerninhalten nach aktuellstem Stand der Methodenforschung. Technologisches Grundwissen wird im Zusammenspiel mit feinmotorischen und handwerklichen Fertigkeiten vermittelt und anhand von Arbeitsergebnissen diskutiert und reflektiert. Zunehmend rückt auch die Methodik des Designs (Design versteht sich als Prozess, Design-Thinking) bzw. des architektonischen Gestaltungsprozesses ins Zentrum des Studiums. Durch die Beschäftigung mit unterschiedlichsten Fragestellungen und der Ausarbeitung innovativer Konzepte bzw. Lösungsmodelle entwickeln die Studierenden analytisch-schöpferische Kompetenzen.

Das Potential von Design-Thinking als Dienstleistung für Unternehmen wird deshalb im Rahmen von Lehrveranstaltungen untersucht. Es entstehen so Modelle für zukünftige Beratungen und Kooperationen. Um diese auch zu etablieren, werden gemeinsame Positionen und Ziele mit den österreichischen Sozialpartnern gesucht und verankert, damit die Werkpädagogik zukünftig an den sekundären Bildungseinrichtungen nicht nur als reine Technikvermittlung verstanden wird, sondern auch als Think-Tank funktionieren könnte.
Um dies zu unterstützen, wurde das Curriculum mit Beginn des Bachelor-Studiums im Oktober 2014 neu gedacht. So können Studierende jetzt, nach Absolvierung einer einjährigen Grund- und Orientierungsphase, ihr Curriculum der folgenden sechs Semester im Sinne eines studium generale fächerübergreifend zusammenstellen. Das aufbauende Master-Studium wird auch berufsbegleitend zu absolvieren sein. Aus dieser Situation heraus erschließt sich für die Abteilung die Möglichkeit, die Inhalte des Bachelor-Curriculums durch Feldstudien an den sekundären Schuleinrichtungen zu überprüfen, und das Curriculum gegebenenfalls weiter zu verbessern.

Die Studierenden von heute bleiben aber in erster Linie die PädagogInnen und VermittlerInnen der zukünftigen Generationen. Deshalb müssen die Universitäten heute Lehrveranstaltungen anbieten, die den Studierenden aktuellste und auch zukunftsweisende Techniken und Technologien vermitteln. Dafür brauchen wir bestens qualifiziertes Lehrpersonal und eine optimale Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Nur mittels zeitgemäßer analoger und digitaler technologischer Praxis, in Verbindung mit der entsprechenden Designtheorie, kann Design später im erweiterten Sinne vermittelt werden.
Noch stärker als gegenwärtig ist der Bereich der analogen und digitalen Schnittstellen zu positionieren. So soll das Angebot im Bereich von Gestaltung mit zeitgemäßen und aktuellen elektronischen Medien an der Schnittstelle Computer | Akustik | Visuelles..., sowie Video- und Fotokultur im schulischen Lehrplan gefördert und verankert werden.Ein wesentlicher Aspekt der Design- und Architekturvermittlung liegt im Wissen über und der Anwendung von Material. Im Rahmen einer Grundlagenlehrveranstaltung werden in den nächsten Jahren unter anderem eine umfangreiche Materialbibliothek und deren Katalogisierung errichtet. Die Exponat-Sammlung soll Studierenden aller Studienrichtungen zugänglich sein. Zusätzlich sollen Studierende im Rahmen von geeigneten Lehrveranstaltungen eine Online-Bibliothek rund um ihr Fachgebiet aufbauen, die dann als Lehrhilfe (open E-Learning) frei zugänglich sein sollte.
Interdisziplinarität, Lebendigkeit und der offene Diskurs werden zunehmend gefordert und gefördert. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, bieten sich Kooperationen durch Forschungsarbeiten und Projekte an – sowohl mit den Abteilungen und Instituten der Angewandten selbst als auch mit Partneruniversitäten (z.B. BOKU Wien, TU Graz). Ein Beispiel dafür wäre schon heute die Einbeziehung der Robotik, im Rahmen der Abteilung für Holztechnologie der Angewandten.Gastprofessuren und Vortragsreihen sind nicht nur für den Lehrbetrieb erfrischend, sondern geben den Studierenden die Gelegenheit, ihre Positionen zu überprüfen. Auch Netzwerke mit nationalen und internationalen Universitäten, die Designvermittlung als Forschungsfeld oder Studienrichtung anbieten, und Kooperationen mit PartnerInnen in der Privatwirtschaft gewinnen an Bedeutung. Konferenzen mit internationaler Beteiligung unterstreichen das Engagement der Abteilung. So entsteht in Kooperation mit dem Teachers College der Columbia University New York (USA) ein Konferenzzyklus mit amerikanischer und europäischer Beteiligung.

Nicht zu vergessen ist auch das breitere Angebot an Studienprojekten im Rahmen des künstlerischen Einzelunterrichts sowie der Technologie-Lehrveranstaltungen. Die einzelnen Technologien (Werkstätten) und Wissenschaften müssen in Zukunft eng miteinander verknüpft werden – im Sinne eines holistischen Laboratoriums (HOLO-LAB). (Auszug aus dem Entwicklungsplan 2016-2018 der Universität für angewandte Kunst Wien)