Gestalterisches Denken und Handeln als Vermittlungskonzept

... “to design is always to prescribe some form, structure, pattern or arrangement for a proposed thing, system or event.



A design is always an integrated whole“... (Design Education at Secondary Level – A Design Council Report 1999)

Design – das in seiner erweiterten Form sowohl Artefakte und Räume, wie immaterielle Leistungen mit einbezieht - ist ein zyklischer Prozess, eine Interaktion von Untersuchen, Erfinden, Gestalten und Verwerfen im Spannungsfeld von geordneter Strategie und inspirierter Vision.

Dieser Prozess hat in unserer Wirtschafts- und Produktionswelt das vorrangige Ziel, zu konkreten Ergebnissen zu führen, besitzt jedoch Qualitäten, die auf einer Metaebene für die Auseinandersetzung mit Fragestellungen in den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern eingesetzt werden können. Es handelt sich dabei, ausgehend von einer Aufgabenstellung, um die Fähigkeit Wissen aus verschiedenen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und künstlerischen Bereichen zu vernetzen, in ungewöhnliche Ideenkonzepte zu „übersetzen“ und durch konkrete Form auszudrücken. Dabei zeichnen sich außergewöhnliche, paradigmenverändernde Ideen durch den Abstraktiongrad des transformierten Wissens aus.

Angesicht dieser Feststellung ergibt sich die Frage, welche Bedeutung diese Kompetenzen generell für die Bildung haben könnten, bzw. unter welchen Bedingungen deren Vermittlung erfolgen könnte.

Nimmt man im Diskurs um den Topos „Kreativität“ den Standpunkt ein, diese sei keine „geniale“ Eigenschaft , sondern sei vor allem die Fähigkeit durch Kombination von Wissen, Neues hervorzubringen, dann ist diese Kompetenz - die uns allen inhärent ist, jedoch egal aus welchen Gründen unterschiedlich entwickelt - ein Schlüssel zur Bewältigung von Unvorhergesehenem. Durch die sich zunehmend beschleunigende Entwicklung in allen gesellschaftlichen Bereichen werden wir zunehmend mit Fragestellungen konfrontiert sein, wo flexibles, divergentes Denken, Experimentierlust, hohe soziokulturelle Sensibilität und die Fähigkeit zur Teamarbeit gefordert sein werden. Leider sieht der Alltag in vielen Schulen noch anders aus. Unterricht wird als „lehrbares Wissen“ noch größtenteils frontal vorgetragen und abgefragt. Das Engagement vereinzelter Lehrerinnen und Lehrer neue didaktische Konzepte umzusetzen und teilweise fächerübergreifend zu arbeiten, erfolgt im Angesicht eines absehbaren „Burn Outs.“ Der Anspruch an das bestehende Schulsystem Rahmenbedingungen für die ernsthafte Heranbildung zukünftiger wacher, neugieriger und schöpferischer Menschen zu schaffen ist hoch, sollte jedoch nicht nur das Privileg einzelner Privatschulen sein (z.B. Walz), sondern einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. (Wenn Mündigkeit und Eigenverantwortlichkeit zukünftiger Generationen politischer Wille ist.)

Design Thinking and Doing kann man (wie andere Felder der Kreativität auch) nicht im klassischen Sinne „lernen.“ Vielmehr müssen, um ein fruchtbares Klima für das Sprießen unkonventioneller Ideen hervorzubringen, Freiräume des Denkens geschaffen werden, Risikobereitschaft im Handeln unterstützt werden. Man muss sich „trauen“ dürfen Regeln zu durchbrechen und Grenzen auszuloten. Auch das Scheitern muss erlaubt sein. Diese Denk- und Handlungsweise schafft vor allem Möglichkeitsräume für Neues durch das „in Frage stellen“ von Bestehendem, der Bereitschaft zur Destabilisierung der Konvention. Doch die Aufforderung zum scheinbaren Chaos alleine führt noch zu keiner schöpferischen Leistung mit sozialer Relevanz, die die Bedingung für alle relevanten Erfindungen oder Designleistungen darstellt. Diese ist lediglich der Ausgangspunkt für die Schaffung einer „neuen Ordnung“, einer neuen Stabilisierung, die letztlich für den „user“, also die Ansprechperson, für die die Schöpfung gedacht ist, in einer für sie „angemessenen Form“ gelöst werden soll. Ziel dabei ist sowohl die Entwicklung mutiger Konzepte, wie die Schaffung konkret nutzbarerer, bis ins Detail durchdachter Lösungen.

Dabei wird das Modell zum überprüfbaren Beweis der Nutzbarkeit des Konzeptes. Die gedachte Idee durch Handeln konkret, die Dualität Prozess – Form ersichtlich.

Grundlage dafür sind die Arbeitsprozesse von Designerinnen und Designern bei der Produktentwicklung, wobei auch hier die Tätigkeitsbezeichnung im weitesten Sinne zu verstehen ist, nämlich Entdecken, Erfinden und Gestalten in einem möglichst weiten Feld.

Das Lehrkonzept des Faches Design, Architektur und Environment für Kunstpädagogik auf der Angewandten, das Lehramtskandidatinnen und –kandidaten für das Fach mit dem noch anachronistischen, dem Bildungsauftrag entsprechenden Titel: „Werkerziehung“ heranbilden soll, ist inhaltlich stark Designprozess orientiert. Ziel ist es, die Absolventinnen und Absolventen dazu zu befähigen, Designprozesse zu initiieren, zu begleiten und zu evaluieren, indem sie diese Prozesse selbst erfahren und reflektieren. Damit übernimmt die angewandte eine Vorreiterrolle sowohl im österreichischen, wie im europäischen Vergleich, wo derzeit zwar einige Kunstuniversitäten „Werkerziehung“, jedoch nur wenige dieses Fach mit einer designpädagogischen Ausrichtung anbieten (z.B.: Designpädagogik am Institut für intermediäre Gestaltung, Hochschule Vechta, BRD).

Die verstärkte Sensibilisierung gestalterischer Fähigkeiten und die Förderung von Problemlösungskompetenzen sollen jedoch nicht den Eindruck entstehen lassen, dass es sich hierbei um die Bereitstellung neuer Heroen für eine fragwürdig gewordene industrielle Innovationsmaschinerie handelt. Vielmehr bietet die Auffassung, dass jede Entscheidung Gestaltungspotential in sich birgt das Rüstzeug für eine selbst-bewusste und selbst-besti mmte Lebensgestaltung. Im Licht des herrschenden Konsumismus wirft die Auseinandersetzung mit der Beziehung Mensch – Produktwelt im weiteren Sinne noch Fragen der Seinsqualität auf. Durch den Fokus auf die soziokulturellen Einflüsse im Design, entsteht noch dazu in der offenen, empathischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturen ein Verständnis für deren Inspirationspotential.

So gesehen birgt der kritische Fokus auf die von uns gestaltete Welt viel Konfliktpotential in sich, jedoch erst aus dem daraus entstehenden Diskurs heraus sind wir in der Lage, das Leben als täglich neue Herausforderung wahrzunehmen und die sich bietenden Chancen für positive Veränderung zu erkennen, sei dies durch Gestaltung des eigenen Lebensraumes oder den Entwurf radikaler Innovationen. Bildung mit einem design orientierten Schwerpunkt hat hier sicher eine gesellschafts-politische Aufgabe zu erfüllen.

Bleibt zu fragen welchen Stellenwert die Förderung dieser Qualitäten in der zukünftigen Bildungspolitik einnehmen wird?

Univ.Prof. James Skone
Leitung: Design, Architektur und Environment für Kunstpädagogik