von James Skone

Heuer wurde bei der Würdigung herausragender Designleistungen ein bemerkenswertes Zeichen gesetzt.



Peter Kuschnigg erhielt den Österreichischen Staatspreis für Design für die Entwicklung einer Handprothese für Otto Bock. Ein guter Anlass sich mit einem Designfeld zu beschäftigen, wo der Mensch in all seiner Differenziertheit und Bedürfnissen im Fokus steht.

Das meiste Design ist zwar sichtbar, wir nehmen es in seiner Unaufgeregtheit jedoch kaum wahr. Alltäglichen Dingen wird nicht viel Bedeutung zugemessen, obwohl alles vom Menschen Geschaffene mehr oder weniger bewusst gestaltet worden ist. Design hat zur Entwicklung unserer Zivilisation einen wesentlichen Beitrag geleistet und wird zunehmend mehr dazu beitragen.

Wir reden hier aber nicht so sehr vom Authorendesign der Hochglanzmagazine und Designshops, wie vielmehr von oft unspektakulären Dingen, Räumen, Zeichen und Systemen. Wer meint, dass heute ein einfacher Kartoffelschäler oder Billigkugelschreiber nicht von jemanden oder - wie es de facto wirklich geschieht – innerhalb eines Netzwerkes von Fachleuten gestaltet wurde, und von einer Serie von Entscheidungen abhängig ist, irrt.

Anwender orientiertes Design, (wobei im englischsprachigen Raum der Begriff „social design“ die Bezeichnung „user oriented design“ gelegentlich ersetzt) ist ein äußerst komplexer Prozess bestimmt von Nutzerbedürfnissen, Wirtschaftlichkeit, Technologie und Nachhaltigkeit (inklusive aller ethischen Fragen wie Produktions- und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen). Unsere zukünftigen Produkte, seien sie gegenständlich, bildhaft, virtuell oder system bezogene Leistungen, sollten unter diesen Gesichtspunkten geplant und gestaltet werden müssen, um ihr Dasein zu berechtigen. Social Design hat vor allem eine Aufgabe, nämlich umsichtig und gewissenhaft zu gestalten. So gesehen ergibt sich die Chance die Funktion einer manchmal missverstandenen wirtschaftlichen Ausrichtung von Design im Sinne eines ausschließlichen Marketinginstrumentariums in einer breiteren Perspektive zu sehen. Design kann so ein Bestandteil unser Aller Lebensqualität werden, man denke dabei nur an die Notwendigkeit, die schlechte Bedienbarkeit der Fahrkartenautomaten der Bundesbahn zu überdenken, die nicht nur bei älteren Semestern den Blutdruck zum steigen bringt. Stichwort: 50plus; Designer befinden sich da vor der Herausforderung, Lösungen für eine wachsende Zielgruppe zu finden angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen und einer zunehmend sich verlangsamenden Wahrnehmung im Alter.

Als ein in Österreich tätiger Designer denkt man bei Social Design sofort an Victor Papenek und seinem legendären Ausspruch „All men are designers“ wenn man einen der international bedeutendsten Proponenten dieser Designrichtung nennen möchte. Heute versuchen vor allem Bruce Mau mit seinem „Intitute without boundries“ in Toronto und John Thakara, langjähriger Leiter des niederländischen Designinstitutes (und Veranstalter der bereits legendären „Doors of Perception“ Konferenzen), die globale Bedeutung von menschlicher Gestaltungsleistung und unsere damit verbundene Verantwortung in allen gesellschaftlichen Feldern zu vermitteln.

Yvon Chouinard, Gründer des Sportbekleidungsunternehmens „Patagonia“ sollte jedoch in diesen Zusammenhang besonders hervorgehoben werden. Sie stellten u.a. als erstes Unternehmen Fleece Jacken aus PET Flaschen her. Als eines der erfolgreichsten Unternehmen der USA der späten 90er Jahre investiert Patagonia 30% des Jahreseinkommens für Umweltaktivitäten und sieht es als Teil der Unternehmenskultur Kaution für Angestellte zu hinterlegen, die wegen passiven Widerstands verhaftet werden („Vanity Fair“ Mai 2006. „The Trailblazer“).

Jedoch eher unbekannt ist die Tatsache, dass Chouinard schon immer ein in seinen persönlichen Ansprüchen sehr bescheidenes und in allen seinen Tätigkeiten als Surfer, Bergsteiger, Buchauthor und Unternehmer schöpferisches Leben geführt hat, sei es als Pionier der Clean Climbing Bewegung, einer ökologisch- kreativen Spielform des Alpinismus, wo das „Bezwingen“ des Berges in Frage gestellt wurde, oder bei der Entwicklung von innovativer Kletter Hardwear (Pickel, Klemmkeile, Steigeisen), die vor allem auch durch ihre Schönheit bestechen. „Unter Produktqualität verstehen wir Langlebigkeit, minimale Verwendung von natürlichen Ressourcen (inkl. Material, Energie und Transport), Multifunktionalität, Zeitlosigkeit im Aussehen und die Freude, wenn das etwas ausgezeichnet seine Aufgabe erfüllt“ (Mission Statement Patagonia).
Design drückt sich bei ihm in einer ganzheitlichen gestalterischen Haltung aus. (Siehe. „Let my People go Surfing, The Education of a Reluctant Businessman).

Design so gesehen ist mehr als nur die gegenständliche Form. Es ist ein steter Prozess der Veränderung. Ein Denk- und Handlungsprozess, den wir täglich durchführen. Warum sollten wir ihn daher nicht bewusster für die Fragestellungen unseres Lebens einsetzen? Nämlich den Designprozess als analytisch-schöpferische Problemlösungskonzept in der Schule zu vermitteln, mit dem Ziel zukünftige mündige Konsumenten und kritische Bürger heranzubilden, die in der Lage sind ihren eigenen Lebensraum umsichtig, verantwortungsvoll und neu zu gestalten.
Denn nur wer selbst einmal etwas gestaltet oder herstellt hat, anstatt zu konsumieren, kann den Wert eines Produktes verstehen.

James Skone
Magazin der Universität für angewandte Kunst
Ausgabe 02/2009
Beilage Wiener Zeitung 3.Dez. 2009